Ein Leben ohne Bücher ist für mich schwer vorstellbar. Ich liebe es, in Buchhandlungen und Antiquariaten umgeben von Büchern zu sein. Eine besondere Vorliebe habe ich für schön gebundene Bücher. Manchmal macht es mich einfach glücklich, wenn ich meine Bücherwand betrachte, den einen oder anderen Band zur Hand nehme, durchblättere und dann genüsslich schmökere. 


Eine kleine Auswahl mir wichtiger Büchern habe ich für Sie ausgesucht:
Theodor Fontane, Der Stechlin, Ditzingen: Reclam, 1986
Ich habe nicht wirklich einen Lieblingsschriftsteller, eher Bücher, die mir wichtig sind - und doch gehört Fontane zu den Autoren, die ich besonders gerne lese. Vor allem seinen letzten Roman liebe ich sehr. Die Beschreibung einer untergehenden Welt des preußischen Gesellschaftssystems ist sehr präzise und man lernt viel über die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Handlung ist nicht entscheidend in diesem Buch, eher die Beschreibung voll warmer Melancholie, mit Sinn für notwendige Änderungen. Wer durch Brandenburg fährt, erkennt vieles aus diesem wundervollen Buch wieder.
Uwe Tellkamp, Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008
Ein gewaltiges Buch über die letzten Jahre der DDR. Man riecht förmlich die Braunkohle und das Desinfektionsmittel im Krankenhaus, man sieht die Möbel und Einrichtungen von Behörden und erkennt die typische Sprache der Parteifunktionäre. Erzählt wird die Geschichte einer verzweigten Dresdner Familie. Ihre Mitglieder sind kulturell interessiert und haben durchaus unterschiedliche Haltungen gegenüber dem Staat. Die Hauptfigur Christian durchläuft Schule und Militärdienst, um Medizin studieren zu dürfen. Er eckt an und die ganze Familie muss erkennen, dass es in einem totalitären Staat den völligen Rückzug ins Private nicht geben kann. Tellkamp klagt nicht an, er beschreibt einfühlsam: die Milieustudie der späten DDR schlechthin.
Volker Kutscher, "Der nasse Fisch", Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2008 und "Der Stumme Tod", Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2009
Die beiden Kriminalromane spielen im Berlin der 30er Jahre. Sorgsam werden die historischen Umstände in die Handlung integriert. Kommissar Gereon Rath ist neu aus dem Rheinland nach Berlin gekommen. Er tut sich schwer mit der Integration in den großen Polizeiapparat, Eigenmächtigkeiten und Probleme mit Kollegen erschweren seine Ermittlungen. Im ersten Buch ermittelt er im Milieu der von den Bolschewiken vertriebenen Exilrussen. Die Konflikte zwischen den Kommunisten und den Nationalsozialisten, aber auch dem sozialdemokratischen Polizeipräsident werden anschaulich in die Handlung integriert.Im zweiten, lose auf dem ersten aufbauenden Band, taucht man in die sterbende Welt der Stummfilmstars und dem Übergang zum Tonfilm ein. Auch Kommissar Gereon Rath gehört zum Rudel der zahllosen "Großstadtwölfe", rastlos und mit problematischem Liebesleben. Hier wirkt manches etwas klischeehaft. Der Historiker Kutscher beschreibt aber mit viele Liebe fürs historische Detail und großer Exaktheit die untergehende Welt der Weimarer Demokratie und das zwischen Weltläufigkeit und Provinizialität schwankende Berlin. Für mich zwei Bücher mit hohem Unterhaltungswert, erzählende Kriminalromane eines guten Autors eben.
Winfried Seibert, Das Mädchen, das nicht Esther heißen durfte, Leipzig: Reclam, 1996
In meiner beruflichen Tätigkeit als Rechtshistoriker am Max-Planck-Institut lege ich großen Wert auf eine verständliche Sprache. Ich möchte Geschichte interessant erzählen. Ein Vorbild ist mir in diesem Zusammenhang dieses Buch: Es erzählt die reale Geschichte eines evangelischen Pfarrers, der in der Zeit des Nationalsozialismus seine Tochter auf den Namen Esther taufen möchte. Ohne entsprechende Rechtsgrundlagen verweigern Standesbeamte, aber auch Richter in mehreren Instanzen den Eintrag dieses Namens einer "jüdischen Dirne". Esthers Vater legt die Absurdität dieser Argumentationen offen und fragt was der Unterschied etwa zum Namen Maria sei. An einem alltäglichen Fall werden die schrecklichen Mechanismen der Diktatur nachvollziehbar. Für mich eine wunderbar erzählte Geschichtsschreibung, die so viel aussagt über die "Banalität des Bösen".
Cornelius und Fabian Lange; Stuart Pigott, Mit einem Schuss Wein, Bern; Stuttgart: Hallwag, 1998
Mein Lieblingskochbuch. Die Rezepte funktionieren einfach und die Beschreibungen animieren zum Nachkochen. Es handelt sich weder um eines dieser Bücher, die ungekannte Hochgenüsse im Handumdrehen versprechen, noch um eine Rezeptsammlung aus einer überdrehten Luxusküche - "aus 12 Hummern kochen Sie 100 ml. Fond". Emotional und persönlich werden Rezepte vorgestellt. Stuart Pigott liefert die passenden Weinbeschreibungen dazu. Das Buch ist einfach wunderbar illustriert.